VALUEGRIDS

Unterstützung dynamischer Wertschöpfungsnetze durch service-orientierte Grid-Infrastrukturen

Das Projekt ValueGrids erschließt die D-Grid-Infrastruktur für eine grundlegend neue Community, nämlich die Nutzer und Anbieter von Software-basierten Dienstleistungen (Software-as-a-Service Anbieter). Das Marktforschungsunternehmen Gartner schätzt den Marktanteil dieser Community allein im Bereich Business-Software in 4 Jahren auf 30%:

"With software as service (SaaS), the user organisation pays for software services in proportion to use. This is fundamentally different from the fixed-price perpetual license of the traditional on-premises technology. Endorsed and promoted by all leading business applications vendors (Oracle, SAP, Microsoft) and many Web technology leaders (Google, Amazon), the SaaS model of deployment and distribution of software services will enjoy steady growth in mainstream use during the next five years." 1)

1) Gartner Highlights Key Predictions for IT Organisations and Users in 2008 and Beyond)

Schon heute bieten SaaS Anbieter ihren Kunden umfangreiche und komplexe Software-Lösungen an, die sich umfassend und individuell auf jeden Kunden anpassen lassen, um genau dessen Bedürfnisse zu befriedigen. Um flexibel auf eine sich ändernde Marktsituation und Kundenwünsche reagieren zu können, muss eine service-orientierte Lösung auf modulare Dienste anderer Anbieter zurückgreifen. Gleichermaßen impliziert der Betrieb von Services einen hohen Bedarf an Rechen- und Speicherkapazitäten. Grid-Technologien versprechen hierbei flexible und kosteneffiziente Anpassung auf Nachfrageschwankungen.

ValueGrids konzentriert sich inhaltliche auf sogenannte Wertschöpfungsketten (Value Chains), die traditionell gekennzeichnet sind durch eine wohl definierte Abfolge von Prozessschritten, durch die ein übergeordnetes Ziel, eine Wertschöpfung erreicht werden soll. Im Zuge der zunehmenden Globalisierung und Vernetzung setzt sich diese „wohl definierte“ Abfolge heutzutage immer häufiger aus kurzfristig wechselnden Leistungserbringern zusammen. Das Bild der Kette wird somit zu einem dynamischen Netz (Wertschöpfungsnetz, Value Network) aus dezentralen Akteuren.

Dienstverträge, sogenannte Service Level Agreements (SLAs), bilden die Grundlage für eine transparente Spezifikation der zu erbringenden Leistung durch Dienstanbieter sowie die hierfür berechneten Preise. Vereinbarungen über die Güte von Diensten erstrecken sich dabei  sowohl vertikal über alle Ebenen einer Unternehmung (im Bereich der Infrastrukturanbieter durch das ausgeschriebene SLA-Projekt des D-Grid abgedeckt), als auch horizontal auf alle Akteure eines Wertschöpfungsnetzes. Vor diesem Hintergrund soll ein Konzept erstellt werden, das die reibungsfreie Integration von vernetzten Anbietern sowohl in betriebliche Strukturen gewährleistet, also auch das flexible Management von Wertschöpfungsnetzen basierend auf Dienstvereinbarungen unterstützt.

Die Herausforderungen im Bereich Service Level Management, die sich aus einem vernetzten Zusammenschluss von Unternehmen ergeben, sollen an folgendem Szenario (vgl. Abbildung: Service-Level-Management in Wertschöpfungsnetzen) noch einmal verdeutlicht werden.

Ein SaaS-Anbieter (z.B. SAP, Conemis AG) bietet eine Service-orientierte Anwendung zum Management von Geschäftsprozessen mittelständischer Unternehmen an. Um dem Endkunden eine individuell zugeschnittene Lösung offerieren zu können, bezieht er Zusatzfunktionalität aus passenden Angeboten von dezentralen ISVs (Independent SoftwareVendor).

Der Betrieb der Software des SaaS-Anbieters erfolgt gehostet. Die Anforderung von Kundenseite (z.B. Qualitäts-Levels, Strafe bei Nichterbringung der Leistung) werden in beiderseitigem Einverständnis in Dienstvereinbarungen festgelegt. Für den Betrieb der Software greift der Anbieter auf Rechen- und Speicherkapazitäten aus einer Computing Cloud zurück, die über eine D-Grid Infrastruktur gemanagt und bereitgestellt wird. Die Bereitstellung von verteilten Hardware-Ressourcen durch eine D-Grid Infrastruktur wird durch eine Komponente erweitert, die das Management von Service-Levels in Wertschöpfungsnetzen ermöglicht.

Die Anforderungen an die Infrastruktur bezüglich Rechenkapazität und Speicher sind abhängig von vielfältigen Faktoren wie z.B. Anzahl der betriebenen Systeme, Anzahl der Nutzer und Komplexität der ausgeführten Prozesse. Um den reibungsfreien Betrieb der angebotenen Lösung gewährleisten zu können muss deren Management über Dienstverträge erfolgen, die in strenger Wechselwirkung zu den SaaS-Anbietern und deren jeweiligen Kunden stehen.

Schon an dieser noch übersichtlichen Konstellation von Geschäftsbeziehungen wird die Komplexität im Bereich Service-Level-Management deutlich. Anbieter von Hard- und Software-Services sichern den SaaS-Anbietern und diese wiederum den Nutzern der Applikation vertraglich eine festgelegte Dienstgüte zu. Diese stellt für den Kunden die Basis seines täglichen Geschäfts dar.

Letztendliches Ziel des ValueGrid Projekts ist somit das ganzheitliche Management von Wertschöpfungsnetzen, die durch Grid-basierte Dienste komponiert und orchestriert werden,  und dabei die transparente Kopplung zwischen den jeweiligen Dienstverträgen auf Ebene der Wertschöpfungsnetze sowie der Grid-Infrastruktur berücksichtigen.

Hierbei ist zu identifizieren, welche Arten von Diensten in einer service-orientierten Ökonomie eine entscheidende Rolle spielen, und welche Arten von IT-Services zu deren Unterstützung dienen können und wie diese in einer Grid-Infrastruktur bereitgestellt werden können. Für unterschiedliche Dienste werden unterschiedliche Arten von Dienstverträgen benötigt – SLA-Konzepte für derartige Dienste werden in ValueGrids entwickelt. Gerade bei komplexen Geschäftsbeziehungen ist auch zu klären, wie die Dienstverträge und deren Attribute über die Wertschöpfungskette – inhaltlich konsistent und betriebswirtschaftlich gehaltvoll – propagiert werden können.

Neben der konzeptionellen Analyse wird im Rahmen des Projektes eine Komponente zum Management von Wertschöpfungsnetzen im Kontext von Grid-basierten Diensten und der D-Grid Infrastruktur entwickelt. Das vorgesehene Management Cockpit bereitet aktuelle Daten bezüglich der vernetzten Vertragssituationen im Wertschöpfungsnetz seiner Partner und Kunden auf und ermöglicht dem SaaS-Anbieter durch gezielte Visualisierungstechniken implizite Risiken und schwer erkennbare Abhängigkeiten innerhalb von SLAs und zwischen SLAs zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.

Die entwickelten Konzepte sowie die entwickelte Management-Komponente werden im Rahmen einer integrierten industriellen Fallstudie mit Vertretern der SaaS Community und fünf Endkunden evaluiert. Als Ergebnis der Evaluation wird eine Bewertung darlegen, unter welchen Randbedingungen und mit welchen Maßnahmen das entwickelte Konzept in anderen industriellen Kontexten und aus Endkundensicht angewandt werden kann.

Mit den Projektergebnissen von ValueGrids wird die D-Grid Infrastruktur in komplexe betriebliche Wertschöpfungsnetze integrierbar, was zum nachhaltigen Betrieb der D-Grid Infrastruktur beitragen wird.