MediaGrid

Verteilte Analyse und Nutzung von Multimediadaten

Durch den Aufbau einer medienorientierten Grid-Community soll es gelingen, nachhaltige Dienste für die verschiedensten Bereiche der Medien- und Content-Industrie zu etablieren, die eine leistungsfähige Infrastruktur zur Analyse und Verteilung umfangreicher Medienbestände (Audio- und Videodaten) benötigen. Dazu wird die bestehende D-Grid Umgebung (auf Basis der Globus GT4 Middleware) genutzt und mit Medienanalyseverfahren angereichert, um die verteilte Verarbeitung von Mediendaten zu ermöglichen. Es wird eine Vielzahl von Analysediensten über die MediaGrid-Infrastruktur den verschiedenen Endanwendern zur Verfügung gestellt, die diese dann direkt nutzen können und in ihre Umgebungen integrieren. Zum Projektende soll die MediaGrid-Umgebung eine für die Endanwender flexibel nutzbare Ressource für medienrelevante Rechenleistungen darstellen, die einfach und kostengünstig von den Medienindustrieunternehmen genutzt werden kann, um rechenintensive Verarbeitungsschritte durchzuführen.

Zum Erreichen des Projektziels sind diverse technische Entwicklungsarbeiten durchzuführen, um eine verteilte Verarbeitung von Mediendaten zu realisieren. Mittels der im Projekt entwickelten MediaGrid-Dienste lässt sich ein einfacher und schneller Zugriff auf digitalisierte und verteilte Multimediabestände ermöglichen. Durch die stark zunehmende Menge an audio-visuellen Daten besteht ein vermehrter Bedarf, diese automatisiert zu analysieren bzw. zu erschließen, um eine Suche und Nachnutzung zu ermöglichen. Im Gegensatz zu konventionellen, textbasierten Suchmaschinen besteht die Herausforderung, dass die relevanten Metadaten aus der Tonspur und den Videodaten extrahiert werden müssen. Dazu sind komplexe und rechenintensive Analyseverfahren aus den Bereichen der Sprach-, Audio-, Bild-, und Videoerkennung bereitzustellen. Diese Verfahren zur Medienanalyse werden in die D-Grid Middleware-Umgebung integriert und so angepasst, dass diese eine optimale Analysegenauigkeit ergeben. Als Grid Middleware wird das Globus Toolkit (GT4) genutzt. Darauf basierend werden die verschiedenen Medienanalysedienste aufgesetzt und den Endnutzern bereitgestellt.
 
Auf Endanwenderseite gilt es, bestehende und neue Anwendungen so zu konzipieren und zu entwickeln, dass diese auf die von MediaGrid zur Verfügung gestellten Dienste einfach zugreifen können. Um möglichst verschiedene Segmente der Medienindustrie zu erreichen, werden mehrere Endanwendungen auf die MediaGrid-Dienste zugreifen. Im Rahmen des Projektes werden zwei Pilotanwendungen für die Endanwender entwickelt, die auf die dezentrale MediaGrid-Infrastruktur zugreifen. Bei der ersten Anwendung handelt es sich um eine Explorationsumgebung, die für die Erschließung von AV-Inhalten von Mediendokumentaren genutzt wird.  Als zweite Anwendung wird das TV-Produktionswerkzeug von GRID-TV so erweitert, dass ein  einfacher und schneller Zugriff auf digitalisierte Multimediabestände ermöglicht wird. Durch die automatisierten Analyseverfahren werden neuartige TV-Produktionen unterstützt, die Nutzerverhalten und Inhalte so miteinander abgleichen, dass verbesserte Reichweiten ermöglicht werden. Bei der Entwicklung der Endanwendungen findet eine Abstimmung zwischen den Entwicklungsarbeiten zur Bereitstellung der MediaGrid-Dienste statt. Beide Anwendungen werden von den Endanwendern (ArchivInForm, ProSiebenSat.1, GRID-TV, Science-TV) im Pilotbetrieb genutzt und greifen dabei auf die MediaGrid-Dienste zu.
Der Aufbau und der zuverlässige Betrieb dieser Dienste steht im Fokus der Arbeiten von GRID-TV GmbH, Universität Marburg und Fraunhofer IAIS, die eine Grid-Infrastruktur bestehend aus Rechnern bzw. Rechner-Clustern an drei Standorten aufbauen werden.

Ein wichtiges strategisches Projektziel ist die Etablierung der MediaGrid Community. Hier gilt es, sowohl horizontal und vertikal technische als auch sozial-ökonomische Strukturen aufzubauen, um eine nachhaltige Nutzung der Projektergebnisse sicherzustellen. Die vertikale Vernetzung richtet sich auf die Verzahnung von Rechenzentrumsdienstleistungen mit den Endanwendern. Durch den Aufbau von attraktiven Geschäftsmodellen soll ein wirtschaftlicher Betrieb und eine Nutzung der Medienrechendienste ermöglicht werden. Die Entwicklung von weiterführenden Verwertungsmodellen ist ein weiteres zentrales Anliegen des Projektes. Ausgehend von Basisgeschäftsmodellen (Rechenleistung gegen Gebühr) werden in dem Projekt komplexere Verwertungsmodelle entwickelt. Hierzu werden Befragungen und Analysen in der Medienindustrie vorgenommen. Neben der Vernetzung von Endanwendern aus der Medienindustrie mit den Medienrechendiensteistern gilt es, auch die Endanwender stärker miteinander in Beziehung zu bringen. Durch die gemeinsame Nutzung des MediaGrid ist es möglich, dass verteilte und heterogene AV-Bestände gemeinsam genutzt werden können.