Umsetzungsbericht über den nachhaltigen Betrieb der Kern-Grid-Infrastruktur

 

7. Juli 2009

 

Dieser Umsetzungsbericht basiert auf dem am 11. September 2007 vorgestellten Geschäftsmodell der D-Grid Support Einrichtung (DGSE), die langfristig für den Betrieb der Kern-Grid-Infrastruktur im D-Grid verantwortlich sein wird [1]. Weitere Grundlagen sind die Statusberichte über das Geschäftsmodell für den Betrieb der Kern-Grid-Infrastruktur vom 3. Juli 2008 [2] und über den nachhaltigen Betrieb der Kern-Grid-Infrastruktur in der letzten Fassung vom 4. Mai 2009 [3]. Schließlich wurden die organisatorischen Fortschritte im Zusammenhang mit der Vertretung des deutschen NGI (National Grid Initiative) bei der neu gegründeten EGI (European Grid Initiative) durch den Gauß-Allianz Verein aufgenommen. Im Hinblick einer knappen Darstellung wird auf die Wiederholung von Informationen aus den Vorgängerberichten verzichtet.

Kunden der DGSE und Organisationsstruktur

Primäre Kunden der DGSE sind weiterhin Betreiber von Community-Grids (Service-Grids) und Anbieter von Gridressourcen. Die Fortführung der Ausschreibungen von D-Grid Projekten durch das BMBF hat zu neuen Communities in neuen Bereichen geführt. Damit wurde das Interesse an D-Grid deutlich unterstrichen und gleichzeitig ist die Zahl der potentiellen Kunden der DGSE gewachsen. Die größere Anzahl an D-Grid Interessierten stellt auch klar, dass eine Organisationstruktur für den communityübergreifenden Basissupport dringend notwendig ist. Dieser Aufgabe hat sich die DGSE verschrieben.  

Es ist weiter zu berücksichtigen, dass auch Communities ihre eigenen IT-Ressourcen in das Grid einbringen. Daher ist eine Trennung zwischen Community und Anbietern von Gridressourcen nicht mehr einfach möglich. Weiterhin hat sich der potentielle Bedarf an Unterstützung für den Betrieb von Ressourcen so deutlich erweitert. Außerdem sind auch die Anbieter von höheren Griddiensten einzubinden, die teilweise auch über eigene Ressourcen verfügen.

Die Entwickler von Softwarekomponenten für das Grid sind als dritte Kundengruppe allerdings immer noch nicht in Erscheinung getreten. Obwohl sie weiterhin potentielle Kunden der DGSE bleiben, können sie daher zurzeit nicht berücksichtigt werden.

Ein offenes Problem im D-Grid bleibt die Betreuung von Einzelnutzern, die sich keiner Community zugehörig fühlen. Die DGSE sieht sich weiterhin nicht in der Lage Einzelnutzer nicht als direkte Kunden zu betreuen, sodass hier noch eine Lücke besteht, für die eine Lösung gefunden werden muss.

Der vorgeschlagene und eingerichtete Service Offering Management Prozess hat bis jetzt aufgrund mangelnder Beteiligung zu keinen Ergebnissen geführt. Dies liegt zumindest zum Teil an der Projektstruktur des DGI und dem Fehlen von Kosten für die gelieferten Leistungen. Diese Konstruktion kann zu einem geringen Steuerungsinteresse von Seiten der Communities verleiten. Die DGSE geht davon aus, dass eine Änderung erst nach dem Ende von DGI eintritt.

Die Angebote der DGSE müssen koordiniert und gegebenenfalls auch selektiert werden. Dazu konnte der Gauß-Allianz Verein gewonnen werden, der Rechenzentren vertritt, die sich dem Hochleistungsrechnen verschrieben haben. Der Gauß-Allianz Verein wird die Vertretung der Ressourcen-Anbieter im D-Grid übernehmen. Diese Ressourcen-Anbieter müssen dazu nicht selbst Mitglieder des Gauß-Vereins sein. Weiterhin wird sich der Gauß-Verein um eine Durchführung der DGSE nach Ende des Integrationsprojektes kümmern. Zu diesem Zweck hat der Gauß-Verein ein Konsortium bestehend aus dem Steinbuch Computing Center Karls-ruhe, dem Leibniz Rechenzentrum München und dem Forschungszentrum Jülich gegründet. Diese Einrichtungen sind bereits aktiv und maßgeblich im DGI und anderen Projekten vertreten und werden die Kontinuität sicher stellen. Eine wichtige Aufgabe der Gauß-Allianz wird die Vertretung Deutschlands in der EGI sein. Dabei wird die Gauß-Allianz den DFN-Verein  ablösen.

Geschäftsmodell

Das Nutzungsversprechen der DGSE hat sich grundsätzlich nicht geändert, während kleinere Anpassungen regelmäßig erfolgen. Inzwischen wurden auch zusätzliche D-Grid Projekte wie DMON abgeschlossen und in das Angebot der DGSE integriert. Dies hat auch kleinere Auswirkungen auf das Angebot der DGSE. Zur Vollständigkeit wird das Nutzungsversprechen der DGSE hier nochmal mit den Änderungen wiederholt:

1. Middlewaresupport: jeweils Unterstützung und Ausbildung primär für Administratoren, sekundär für Anwender
a. Globus zusätzlich Entwicklerschulung (1 FTE, LRZ)
b. gLite (0.5 FTE SCC)
c. UNICORE (0.5 FTE FZJ)
d. dCache und OGSA-DAI (0.75 FTE SCC)
2. Betrieb der Referenzinstallation und Support (2 FTE + 65kEURO, SCC)
3. Preproduction Testbed sowie Test und Empfehlung neuer D-Grid-Funktionalitäten
(3 FTE + 65kEURO, RRZN)
4. Betrieb und Weiterentwicklung der HelpDesk Architektur (1.5 FTE SCC)
5. Betrieb und Support der Zentrale Monitor-Infrastruktur (1 FTE SCC oder LRZ)
6. Betrieb und Support der Zentrale Accounting-Infrastruktur (1 FTE RRZN)
7. Entwicklung, Betrieb und Support der Zentralen Billing-Infrastruktur (1 FTE RRZN)
8. Betrieb Grid Operation Center (5,5 FTE SCC) einschließlich D-GOC-Management, Überwachung und Durchsetzung von Service Level Agreements, Grid Operator on Duty, Koordination mit anderen Grid Operation Centers, Betrieb zentraler Grid-Dienste (der Umfang hängt von den Diensten ab), Betrieb einer Certificate Authority, und einer Registration Authority (zusammen mit dem DFN).
9. Betrieb des Grid Resource Registry Service (1.0 FTE FZJ)
10. Management von Virtuellen Organisationen (1.0 FTE pro angefangene 30 VOs, FZJ)
11. Sicherheitsmanagement und -koordination (1.0 FTE, RRZN)
12. Betrieb des Modules-Konzeptes einschließlich myProxy (0.5 FTE, LRZ)
13. DFNInternet Dienst und VPN Dienste (Für diese Dienste gibt es Entgeltlisten (www.dfn.de/dienstleistungen/dfninternet). Dies schließt ein: Betrieb einer
EUGridPMA-akkreditierten Zertifizierungstelle und Ausgabe entsprechender Zertifikate (auch für kurzlebige Zertifikate), betrieb der DFN AAI, Unterstützung bei Sicherheitsvorfällen durch das DFN-CERT, Beratung und Unterstützung beim Aufbau virtueller Netze.
14. Koordination eines Firewall-Kompetenzzentrums mit einem Fokus auf Grid-Fragestellungen (DFN)
15. Unterstützung durch die Forschungsstelle Recht im DFN bei juristischen Fragestellungen (DFN, abgedeckt durch Mitgliedschaft im DFN)
16. Support GAT / SAGA (inklusive Tutorials und Workshops) mit Anpassung und Neuentwicklung von Adaptoren (0,5 FTE AEI)
17. Dissemination (1 FTE, NN)

Weiterhin enthält das Angebot den Betrieb für zentrale Grid-Backup-Dienste, die nach Bedarf abgerechnet werden. Allerdings besteht gegenwärtig dazu noch kein Bedarf.

Für die vom DFN-Verein angebotenen Netzwerkdienste für das Grid sind die Kosten über die  allgemeinen Netzwerkkosten abgedeckt.

Geschäftsmodellen für akademische Community-Grid werden in dem Projekt WissGrid evaluiert. Daher enthält dieser Bericht im Gegensatz zum Vorgängerbericht keine Aussagen zu diesem Bereich auch wenn eine gewisse Überlappung mit dem Angebot der DGSE möglich ist. Langfristig ist hier eine Feinabstimmung notwendig.  


Ertragsmodell

Die Funktionsfähigkeit des Ertragsmodells kann immer noch nicht beurteilt werden, da die D-Grid Teilnehmer die DGSE-Dienste über das DGI ohne Entgelt erhalten. Daher werden weiterhin für die Preise nur die entsprechenden Kosten an den einzelnen Institutionen angesetzt. Aufgrund des Gemeinschaftsrahmens der EU und der bei den Universitäten anstehenden Trennungsrechnung kann allerdings der Preis einer FTE deutlich steigen. Dies gilt primär bei wirtschaftlichen Tätigkeiten und betrifft daher weniger die akademischen Communities als die Communities mit kommerzieller Beteiligung. Aber auch zu diesem Punkt sind noch keine detaillierten Aussagen möglich. Ansonsten gelten die Bemerkungen des Vorgängerberichtes zum Ertragsmodell weiter.
Im akademischen Bereich ist für die Umsetzung des Geschäftsmodells eine deutliche Änderung der Förderstrukturen notwendig. So sollte zum Beispiel die Deutsche Forschungsgemeinschaft bei entsprechendem Bedarf an IT-Ressourcen und Diensten die Nutzung des Grid finanziell unterstützen und nicht implizit von der Verwendung lokaler Rechenressourcen ausgehen. Gleichzeitig ist bei der Infrastrukturförderung auch die durch das Grid vollzogene Schwerpunktbildung mit der verbundenen Effizienzerhöhung zu berücksichtigen.

Literatur

[1] Geschäftsmodell Deutsche Grid Support Einrichtung (DGSE)

[2] Statusbericht über das Geschäftsmodell für den Betrieb der Kern-Grid-Infrastruktur

[3] Statusbericht über die Umsetzung des Geschäftsmodells für den Betrieb der Kern-Grid-Infrastruktur