Statusbericht über das Geschäftsmodell für
den Betrieb der Kern-Grid-Infrastruktur

 

3. Juli  2008 

 

Der Bericht basiert auf dem am 11. September 2007 vorgestellten Geschäftsmodell der D-Grid Support Einrichtung (DGSE), die langfristig für den Betrieb der Kern-Grid-Infrastruktur im D-Grid verantwortlich sein soll [1]. Er beschreibt die seit diesem Zeitpunkt eingetretenen Veränderungen.

Ausgangssituation und Rahmenbedingungen

Die DGSE betrachtet weiterhin Betreiber von Community-Grids (Service-Grids) und Anbieter von Gridressourcen als ihre primären Kunden. Hinzu kommen potentiell Entwickler von Softwarekomponenten für das Grid, die aber im Rahmen des D-Grid bisher noch nicht als Kunden in Erscheinung getreten sind. Einzelnutzer wurden grundsätzlich bisher nicht als direkte Kunden betrachtet. Nutzungsversprechen, Wertschöpfungsarchitektur und Ertragsmodell blieben grundsätzlich unverändert.  Zu der in dem Papier noch nicht festgelegten Organisationsform steht dort:

Die DGSE besitzt weiterhin ein Aufsichtsgremium, das die Leitung der DGSE befristet ernennt und kontrolliert. Die Kunden der DGSE sind in dem Aufsichtsgremium vertreten. Genaueres wird durch die Satzung der DGSE geregelt werden. Weitere Einzelheiten über die Organisationsform und Trägerschaft der DGSE sind später zu klären.
 
D-Grid gGmbH

Das dargestellte Geschäftsmodell [1] berücksichtigt noch nicht die Existenz der Anfang 2008 gegründeten gemeinnützigen D-Grid Betriebs- und Entwicklungsgesellschaft mbH (D-Grid GmbH). Die D-Grid GmbH hat einen Beirat in dem gegenwärtig alle D-Grid Projekte mit ihrem Projektleiter vertreten sind. Dieser Beirat kann als das oben angesprochene Aufsichtsgremium dienen, in dem die Kunden der DGSE vertreten sind. Dazu muss sich der Beirat auch Gruppen öffnen, die nicht in einem D-Projekt beteiligt sind. Hierzu ist eine Änderung der Satzung der D-Grid GmbH notwendig. Weiterhin ist es Kunden der DGSE freigestellt, sich auch als Gesellschafter an der D-Grid GmbH zu beteiligen und dann über die Gesellschafterversammlung Kontrolle und Einfluss auf die GmbH auszuüben. Diese Möglichkeit wurde vom BMBF wiederholt betont. Gegenwärtig ist die European Media Lab mbH, Heidelberg die einzige Gesellschafterin der D-Grid GmbH.
Die D-Grid GmbH soll nicht die Aufgaben der DGSE direkt ausführen. Sie kann allenfalls als Vermittlerin zwischen Kunden und Anbietern für die Nutzungsversprechen der DGSE auftreten, wenn diese Aufgabe als notwendig empfunden wird und in der Satzung festgelegt würde. Es ist das grundsätzliche Ziel die DGSE Dienste den Kundengruppen in möglichst hoher Qualität zu einem möglichst geringen Preis anzubieten. Dabei können die verschiedenen Aspekte der Nutzungsversprechen der DGSE von unterschiedlichen Anbietern wahrgenommen werden. Dies entspricht der Existenz mehrerer Partner im gegenwärtigen D-Grid Integrationsprojekt. Gegenwärtig ist das Auswahlverfahren für den Fall mehrerer Angebote für Dienstleistungen im Rahmen der DGSE noch nicht festgelegt.
Gegenwärtig ist die D-Grid GmbH als Unterauftragnehmer von Projektanträgen im Rahmen des D-Grid 3 Calls eingebunden. Sie wird dabei zum Beispiel die rechtlichen Rahmenbedingungen für Geschäftsmodelle eines wissenschaftsbezogenen Grids durch Beauftragung geeigneter Stellen besorgen. Dies entspricht dem Punkt 11 Nichttechnische Fragestellungen des Nutzerversprechens der DGSE.

Ertragsmodell

Das Ertragsmodell des Geschäftsmodells der DGSE unterscheidet grundsätzlich die Beteiligten Basis, Mitglieder und Teilnehmer:
Basis: Institutionen, die zur Basis gehören, bieten die von ihnen geleisteten DGSE Dienste den Kunden der DGSE zumindest teilweise im öffentlichen Auftrag an. Die Finanzierung basiert auf der Institutionsförderung  durch die öffentliche Hand und muss dazu in dem Auftrag der Institutionen verankert werden. Unter der Annahme eines gegebenen Gesamtbudgets geschieht die Bezahlung der Dienste so über eine erhöhte Zuordnung von Finanzmitteln zu diesen Institutionen (Anbietern), was gleichzeitig eine Reduktion der Finanzmittel für andere Institutionen (Kunden) bedeutet. Dieses Verfahren wird gegenwärtig bereits bei großen IT-Investitionen verwendet und hat nur eine geringe Transparenz. Die Abwicklung der Finanzierung verläuft weitgehend außerhalb von D-Grid. Daher gibt es nur einen mittelbaren und langfristigen Einfluss der Nachfrage auf das Angebot einschließlich einer Qualitätskontrolle.
Mitglieder: Dieses Konzept basiert auf einer oder mehreren so genannten Flat Rates, das heißt, Kunden der DGSE bezahlen einen Beitrag unabhängig von der tatsächlichen Inanspruchnahme von Diensten. Ein solches Verfahren lohnt sich zum Beispiel für sehr kleinteilige Dienste, bei denen der Aufwand für eine genaue Abrechnung zu groß ist oder bei Diensten, die sich nicht einem Nutzer genau zuordnen lassen, wie zum Beispiel der Betrieb der Referenzinstallation. Die Finanzierung geschieht für öffentliche Institutionen weiterhin durch die öffentliche Hand. Diese ist aber nicht mehr in die Verteilung der Mittel involviert. Bei Festlegung der Preise ist die Beteiligung von Anbieter und Kunden (über die Auswahl der Anbieter) notwendig. Dieser Ansatz ist damit transparenter als das zuerst angeführte Verfahren. Außerdem bietet es die Möglichkeit durch periodische Revision der Preise auf die Nachfragesituation schnell zu reagieren, während gleichzeitig auch die Planbarkeit berücksichtigt wird. Für die Einsammlung und Weiterverteilung der Mittel wird meist eine zentrale Institution eingesetzt, die allerdings zu zusätzlichen Verwaltungskosten führt. Dies könnte bei entsprechendem Wunsch der Anbieter und Kunden eine Aufgabe der D-Grid GmbH werden, die auch den Prozess der Preisfestlegung bei Bedarf koordinieren kann. In beiden Fällen müsste die Satzung angepasst werden.
Teilnehmer: Das letzte Konzept basiert auf einem Fee-for-Service, das heißt, eine Kunde zahlt direkt für die Inanspruchnahme seines Dienstes den entsprechenden Anbieter. Dieser Ansatz kann die Nachfrage unmittelbar durch entsprechende Preisbildung berücksichtigen und hat daher potentiell eine hohe Volatilität. Er benötigt keine zentrale Einheit für den Mitteltransfer. Allenfalls kann eine zentrale Einheit in Bezug auf Darstellung von Angebotsinformationen tätig werden. Eine Kartellbildung sowohl auf Anbieter wie auch auf Kundenseite ist nicht grundsätzlich ausgeschlossen.     
 
Im Rahmen von Call 3 wurden Anforderungen nach der Festlegung eines Einheitspreises für Ressourcen laut. Dies ist eine Fragestellung, die nach dem existierenden Geschäftsmodells die DGSE nicht betrifft, da die DGSE keine Ressourcen anbietet. Eine Entscheidung über eine derartige Preisfestlegung müssten die Ressourcenanbieter treffen.

Service Offering Management

Um die Flexibilität des Geschäftsmodells im Hinblick auf die Kunden zu sichern, wurde in der Aprilsitzung des Beirats der D-Grid GmbH ein Service Offering Management Prozess beschlossen und ein entsprechendes Gremium installiert. Nähere Einzelheiten über diesen Prozess sind in einem Bericht [2] niedergelegt. Dieses Gremium musste aber bisher noch nicht aktiv werden, da noch keine Änderungsvorschläge eingereicht wurden.

Ausblick

Für die Laufzeit D-Grid Integrationsprojektes II ist ein Angebot, dass das aktuelle Nutzungsversprechen erfüllt, durch den Projektplan gewährleistet. In dieser Laufzeit ist auch durch Verhandlungen mit potentiellen Anbietern dieser Dienstleistungen sicher zustellen, dass dieses Angebot auch über die Projektlaufzeit hinaus besteht. Gleichzeitig ist festzustellen, wie hoch die Nachfrage bei potentiellen Kunden nach diesem Angebot ist, wenn dafür ein Preis zu zahlen ist.
Die angesprochenen Einzelheiten des Ertragsmodells sind festzulegen. Dabei sind alle Beteiligten (Kundengruppen und D-Grid Integrationsprojekt) einzubinden.
Da Ende August 2008 die ersten Community-Projekte von D-Grid auslaufen, stellt sich auch die Frage der Berücksichtigung der Kunden im Beirat der D-Grid GmbH, wenn einzelne Gridcommunities nicht (mehr) durch Projekte gefördert werden. Eine solche Berücksichtigung ist entsprechend des Geschäftsmodells dringend erforderlich. Hierzu ist eine Änderung der Satzung der D-Grid GmbH erforderlich.
Weiterhin ist die Behandlung von Gridnutzern, die keiner Community angehören, zu adressieren. Zur Berücksichtigung dieser Kundengruppe muss wahrscheinlich sowohl das Nutzerversprechen (Betriebskonzept) als möglicherweise auch die Kundengruppe der DGSE erweitert werden. Der Meinungsbildungsprozess zu dieser Frage ist noch nicht beendet. Eine Umsetzung sollte dann über den Service Offering Management Prozess geschehen.
 
Literatur

[1] Geschäftsmodell Deutsche Grid Support Einrichtung (DGSE)

[2] Service Offering Management Prozess D-Grid Integrationsprojekt II, Deutsche Grid Support Einrichtung (DGSE)