Service Offering Management Prozess
D-Grid Integrationsprojekt II


3. April 2008

 

Ausgangspunkt dieses Service Offering Management Prozesses (SOM-Prozess) ist das in dem Papier "Geschäftsmodell Deutsche Grid Support Einrichtung (DGSE)" [1] eingeführte Geschäftsmodell. Die dort eingeführten Begriffe werden in diesem Papier verwendet.

Ausgangssituation und Rahmenbedingungen

Wesentliche Komponenten des Nutzungsversprechens im Geschäftsmodell der DGSE sind der Support für die im Portfolio [2] der DGSE definierten Softwarekomponenten und der Betrieb der gemeinsamen zentralen Dienste der D-Grid Infrastrukturen durch die DGSE. Da die DGSE auf die Bedürfnisse ihrer Kunden (Betreiber von Community-Grids, Anbieter von Ressourcen und Diensten, Entwickler von Softwarekomponenten) ausgerichtet ist und das Grid durch wandelnde Anforderungen sowie durch neue Gridinfrastrukturen wahrscheinlich einer hohen Dynamik unterliegt, sind das Portfolio der von der DGSE/DGI betreuten Softwarekomponenten und das Betriebskonzept [3] der DGSE/DGI für zentrale Dienste regelmäßig zu überprüfen und gegebenenfalls anzupassen. Diese Anpassung wird im Nutzungsversprechen ebenfalls explizit erwähnt. Um sie effizient zu gestalten, muss ein SOM-Prozess eingerichtet werden. In der Wirtschaft wird ein solcher SOM-Prozess im Allgemeinen durch Marktbeobachtungen, die die Bedürfnisse der Kunden feststellen sollen gesteuert. Hinzu kommt eine Komponente, die die Kunden  aktiv überzeugen soll, dass sie gewisse Angebote benötigen. Im D-Grid soll der SOM-Prozess durch aktive Mitarbeit der Kundengruppen der DGSE gesteuert werden. Da die Kundengruppen technische Experten in ihren Gebieten vertreten, wissen sie am besten, welche Bedürfnisse sie haben. Durch die Mitarbeit dieser Experten am SOM-Prozess soll die Reaktionszeit reduziert und Fehleinschätzungen vermieden werden. Da D-Grid selbsttragend sein wird, steht über dem SOM-Prozess jedoch immer noch die Forderung der Wirtschaftlichkeit.

Die beiden Nutzungsversprechen Support und Betrieb richten sich an die Kundengruppen Betreiber von Community-Grids und Anbieter von Ressourcen und Diensten. Vorschläge für Erweiterungen des Portfolios und des Betriebskonzeptes werden daher in der Regel von diesen Kundengruppen ausgehen. Vorschläge zur Erweiterung des Portfolios, die durch die DGSE direkt, durch Entwickler von Softwarekomponenten oder durch Nutzer gemacht werden, müssen vor einer weiteren Verfolgung von den Betreibern von Community-Grids und/oder den Anbietern von Ressourcen und Diensten akzeptiert werden. Die Aufnahme neuer Softwarekomponenten in den Support oder die Erweiterung des Betriebskonzeptes sind meist mit einem erheblichen Aufwand verbunden. Daher ist eine sorgfältige Überprüfung vor der Durchführung dieser Aktionen notwendig. Insbesondere muss zunächst festgestellt werden, ob ein ausreichender Bedarf existiert oder zumindest für die Zukunft sehr wahrscheinlich ist, und welcher Aufwand mit der Aufnahme oder Erweiterung verbunden ist.
Eine Reduktion des Portfolios und/oder im  Betriebskonzept wird in der Regel durch die DGSE initiiert, da sie im Allgemeinen auf Unwirtschaftlichkeit, das heißt auf mangelnde Nachfrage im Verhältnis zum Aufwand, zurückzuführen ist. Diese Problematik wird im Allgemeinen zuerst in der DGSE offenbar, da die einzelnen Kunden meist keinen Überblick über den Bedarf anderer Kunden haben. Kunden können diesen Prozess allerdings durch explizite Informationen über einen geänderten Bedarf unterstützen. Andererseits benötigen Kunden bezüglich des Angebots der DGSE eine ausreichende Planungssicherheit, die durch entsprechende Dienstleistungsverträge gewährleistet wird. Insgesamt sollen Reduktionen, das heißt die Einstellung des Supports einer Komponente, nur nach vorhergehenden Ankündigungen und einer ausreichenden Auslaufperiode durchgeführt werden.
Releasewechsel von Softwarekomponenten oder die Einstellung veralteter Versionen werden grundsätzlich nicht als Änderung des Portfolios verstanden. Derartige Änderungen sind somit nicht dem SOM-Prozess unterworfen, sondern werden von der DGSE in direkter Absprache mit ihren Kunden getroffen. Falls es hierbei zu keiner Einigung zwischen der DGSE und ihren Kunden kommt, kann der SOM-Prozess jedoch zur Eskalation genutzt werden.

Obwohl das Geschäftsmodell der DGSE keine direkte Unterstützung der Nutzer durch die DGSE vorsieht, bleiben die Endnutzer der Fokus im Grid. Allerdings ist es das Ziel im Grid, die Nutzer mit den Management- und Supportstrukturen möglichst nicht zu belasten. Daher sollen die Nutzerinteressen durch die Betreiber ihres jeweiligen Community-Grids oder durch die Ressourcen- und Diensteanbieter vertreten werden. Diese können im Allgemeinen auch besser die Interessen einer breiten Nutzerschaft vertreten als einzelne Nutzer.

Der in diesem Papier vorgestellte SOM-Prozess dient der Berücksichtigung dieser Rahmenbedingungen.

Struktur des SOM-Prozesses

Auf der einen Seite betrifft der SOM-Prozess die gesamte DGSE, da zum Beispiel einzelne Änderungen bei Softwarekomponenten auch Auswirkungen auf andere Komponenten oder auf das Betriebskonzept haben können. Andererseits ist die Einbindung der Betreiber von Community-Grids und der Anbieter von Ressourcen und Diensten besonders wichtig. Daher soll der Beirat der D-Grid Betriebs- und Entwicklungsgesellschaft die Steuerung für diesen Prozess übernehmen. Formal ist die Gesellschaft zwar nicht an die Vorschläge des Beirates gebunden. Sie verpflichtet sich aber die Vorschläge im Rahmen der DGSE umzusetzen, sofern deren Finanzierung gesichert ist und die Umsetzung legal möglich ist.

Da die Beurteilung der technischen Einzelheiten bei Anpassungsvorschlägen im Allgemeinen aufwändig ist, richtet  der Beirat einen SOM-Ausschuss  ein. Zu diesem Ausschuss gehören 6 Personen, die vom genannten Beirat bestimmt und für 2 Jahre ernannt, wobei eine einmalige Wiederwahl zur Wahrung von Kontinuität möglich ist. Die Mitglieder des SOM-Ausschusses müssen nicht selbst dem Beirat angehören. Die DGSE, die Betreiber von Community-Grids und die Anbieter von Ressourcen müssen jeweils durch mindestens eine Person vertreten sein. Der SOM-Ausschuss soll die unterschiedlichen Gruppen im D-Grid repräsentieren. Der Ausschuss schlägt dem Beirat Rahmenbedingungen für die Ausschuss-Arbeit vor.

Alle Vorschläge zur Veränderung des Portfolios und/oder der Betriebskonzepte sind bei diesem Ausschuss einzureichen. Hierzu erstellt der Ausschuss eine Richtlinie für die Struktur von Veränderungsvorschlägen, Der Ausschuss bewertet die eingereichten Vorschläge und reicht diese mit einem Handlungsvorschlag an den Beirat weiter. Die bewerteten Vorschläge des Ausschusses sollen in der Regel einen Testplan, eine Aufwandsabschätzung, eine Bedarfsabschätzung einschließlich möglicher Verpflichtungen zur Abnahme eines neuen Service, um die Wirtschaftlichkeit in der Startphase zu sichern, und einen Zeitplan beinhalten. Der Beirat beschließt dann über den Handlungsvorschlag. Die DGSE erstellt bei einem entsprechenden Beschluss einen Umsetzungsplan und führt diesen entsprechend den genannten Bedingungen durch.

Vorrangig berechtigt zu Vorschlägen an den Ausschuss sind die DGSE  sowie die Betreiber und Anbieter, die zum Zeitpunkt der Einreichung und der geplanten Umsetzung Kunden der DGSE sind. Der Ausschuss muss auf diese Vorschläge durch eine Bewertung und einen Handlungsvorschlag reagieren. Auch weitere Gruppen, wie Entwickler von Softwarekomponenten und einzelne Nutzer können einen Vorschlag bei dem Ausschuss einreichen. Allerdings kann der Ausschuss in solchen Fällen beschließen, den Vorschlag nicht weiter zu verfolgen. Vor der Einreichung von Vorschlägen an den Ausschuss wird dringend empfohlen mit den potentiell betroffenen Gruppen bereits Kontakt aufzunehmen. Hierzu können neue Vorschläge vor der Einreichung auf der D-Grid Webseite publiziert werden, um anderen Gruppen die Möglichkeit zu geben, sich an dem Vorschlag gegebenenfalls unter Änderungen zu beteiligen.

Folgende Varianten von Handlungsvorschlägen des SOM-Ausschusses sind möglich:
1. Durchführung einer Anpassung gegebenenfalls mit Veränderungen gegenüber dem ursprünglichen Vorschlag.
2. Zurückstellung eines Anpassungsvorschlags und neue Bewertung zu einem späteren Zeitpunkt.
3. Ablehnung eines Anpassungsvorschlags

Zur Information der Kunden wird die DGSE den anonymisierten Bedarf an ihren Diensten im Bereich Support und Betrieb aufgeschlüsselt nach Softwarekomponenten und  Betriebselementen regelmäßig für ihre Kunden darstellen.

Bei Reduktion des Portfolios oder Entfernung eines Betriebselementes bietet die DGSE in Zusammenarbeit mit den betroffenen Kunden alternative Lösungen an oder ermöglicht, sofern diese Angebote nicht angenommen werden können, die Überführung in den Verantwortungsbereich der Kunden. 


Übergangsphase

Der SOM-Prozess ist auf die DGSE ausgerichtet. Er soll allerdings explizit bereits am Anfang der Projektlaufzeit des D-Grid Integrationsprojektes II eingerichtet werden. Während der Laufzeit des Projektes ist zu berücksichtigen, dass sich die Projektpartner an dem Projektplan orientieren müssen. Es ist geplant, die Wünsche der Communityprojekte soweit wie möglich zu erfüllen. Ohne eine Kostenerstattung durch die Communityprojekte ist dies jedoch nur im Rahmen des DGI II Projektbudgets möglich. Dies ist in der Übergangsphase zu berücksichtigen.
Andererseits dient die Übergangsphase auch einer Erstellung eines Portfolios und von Betriebskonzepten, die eine DGSE nach Ablauf der Projektlaufzeit von DGI II ermöglichen. Daher ist die Einrichtung des SOM-Prozesses bereits während der Laufzeit von DGI II sehr wichtig.
Gegenwärtig ist noch unklar, wie sich der SOM-Prozess in der Praxis bewährt. Daher sind während der Laufzeit jährliche Bewertungen durch den Beirat und das DGI-Projekt geplant, mit dem Ziel gegebenenfalls Anpassungen zu gewährleisten.


Literatur

[1] Geschäftsmodell Deutsche Grid Support Einrichtung (DGSE)

[2] Portfolio der Softwarekomponenten. www.d-grid.de Seite muss noch eingerichtet werden

[3] Betriebskonzept für die D-Grid Infrastruktur